
Flirt am Arbeitsplatz von Karl P. (DE)
Es gibt immer wieder Situationen, wo wir uns zum Affen machen. Plötzlich verhalten wir uns derart seltsam, dass wir uns selber nicht mehr erkennen. Es scheint, als ob wir für gewisse Zeit die Kontrolle über uns selber verlieren und von jemand anderem gesteuert werden. Wenn die Situation dann vorbei ist und wir uns zurückerinnern, schlagen wir uns vor Scham und Dummheit an den Kopf. Es ist uns unerklärlich, wie wir uns derart peinlich und komisch verhalten konnten.
Aufgrund einer Frau verhielt ich mich vor Kurzem genau so unbeholfen. Ich verstand lange Zeit nicht genau, was da mit mir passierte. Jetzt, einige Wochen später ist mir das eigentlich auch egal. Die Frau ist jetzt meine Freundin. All dieses komische Getue musste also vielleicht passieren, um am Schluss ins Ziel zu kommen.
Melanie war und ist noch immer eine Arbeitskollegin von mir. Jetzt ist sie meine Freundin. Da vor drei Wochen unsere Abteilung neu zusammengemischt wurde, lernten wir uns endlich einmal kennen. Ihr Aussehen blieb natürlich niemandem im ganzen Geschäft unerkannt. Mit ihrer sehr schlanken Figur und diesem knackigen Hintern wurde sie schnell jedem Mitarbeiter ein Begriff. So kannte auch ich sie lange lediglich nur aufgrund ihres Aussehens. Nun aber, als enge Mitarbeiter, konnte ich sie endlich kennenlernen. Entgegen meiner Erwartungen war sie eher schüchtern, als wir damals in der Kaffeepause das erste Mal miteinander sprachen. In den ersten Wochen sprach sie eigentlich mit niemandem wirklich viel.
Da ich zu diesem Zeitpunkt Single war, lag mir natürlich viel daran, sie näher und besser kennen zu lernen als vielleicht die anderen Mitarbeiter. Ich habe mir in dieser Zeit oft überlegt, ob es überhaupt klug ist, allenfalls intimeren Kontakt mit einer Mitarbeiterin zu haben. Schlussendlich sagte ich mir aber, dass dies kein Grund sein sollte, es nicht zu probieren. Natürlich, wenn es wirklich dumm ausgehen würde, könnte man vielleicht einander nie mehr in die Augen schauen. Aber ganz ehrlich: Dieses Risiko wars mir wert.
Wir kamen immer besser miteinander aus, neckten uns Gegenseitig und lachten zusammen. In einem Nebensatz erzählte sie mir dann einmal, dass sie vor Kurzem mit ihrem Freund in den Ferien war. Es war ein ganz kleiner Rückschlag. Sobald einem eine solche Information zu Ohren kommt, beginnt man sich automatisch Gedanken darüber zu machen, wie man nun weitermachen soll. Nun, ich dachte sehr egoistisch. Ich beschloss, alles zu probieren. Es lag mir wirklich viel an der Frau.
Obwohl mir nun eigentlich bereits sehr gut miteinander auskamen, hatte ich ihre Telefonnummer noch immer nicht. Ausserhalb des Betriebes hatten wir auch noch nie etwas gemeinsam unternommen. Mein geplanter nächster Schritt war es also, unsere Nummern auszutauschen und mal etwas ausserhalb des Geschäftes mit ihr zu machen.
An einem Freitagmorgen sollte es dann so weit sein. Es war mein Tagesziel, endlich mit Melanie die private Nummer auszutauschen und eventuell bereits ein Date abzumachen. Was sich sehr einfach anhört, war schwieriger als ich mir gedacht hatte. An diesem Tag hatte ich das Gefühl, der richtige Zeitpunkt würde nie kommen. Immer standen irgendwelche Leute um Melanie herum. Und als wir mal einige Minuten privat zusammen sprachen, fehlte mir der Mut. Um durch die Hintertüre einzutreten, fragte ich kurz vor Feierabend, als unsere Abteilung das letzte Meeting der Woche beendete, ob jemand heute Abend zufälligerweise in der Innenstadt im Ausgang ist. Einige sagten ja, einige nein. Das war mir eigentlich egal. Nicht egal war mir, dass Melanie nichts gesagt hatte. Also fragte ich auch sie vor allen Leuten, ob sie heute Abend in der Innenstadt sei, oder ob sie zu Hause bleibt, um sich die Beine zu rasieren (wie gesagt, wir neckten uns die ganze Zeit). Melanie meinte, dass sie vielleicht wirklich dort sein werde. Ich antwortete, dass sie sich doch bei mir melden soll. Dadurch erhoffte ich mir, dass sie mich nach meiner Nummer fragen würde und ich diesem mutigen Schritt nicht machen musste. Nun leider wurde alles anders. Sie schaute mich an und meinte mit einem frechen Grinsen, dass sie sich natürlich bei allen melden würde, bei mir aber nicht. Das wars. Ich hatte es verbockt. Ich nervte mich noch Stundenlang über diese paar Minuten. Ich konnte nicht verstehen, warum ich sie nicht einfach persönlich gefragte habe. Ich konnte nicht verstehen, warum ich ihr nicht einfach gesagt hatte, dass ich mit ihr alleine etwas unternehmen will. Wie ein verängstigter Schuljunge kam ich mir vor. Das wars dann, dachte ich mir.
In den nächsten Tagen zog ich mich ein bisschen zurück. Ich hatte die Sache mit Melanie abgehackt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht sehr viel Selbstbewusstsein. Ich dachte im Ernst, dass ich alle Karten bereits verspielt hatte. Erst als einige Tage später Melanie zu mir kam und sich bemühte, ein lustiges Gespräch zu führen, sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels.
Ich weiss nicht, obs der Zufall war, aber endlich fühlte ich, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um sie nach der Nummer zu fragen. Es war eine Kleinigkeit.
Und als wir eines Abends gemeinsam aus dem Geschäft liefen, fragte ich sie, ob sie noch schnell mitkommen will, etwas trinken zu gehen. Und von da an ging dann alles sehr schnell.
Wir verabredeten uns ein weiteres Mal an einem Freitagabend, an welchem wir uns dann auch küssten. Und eine Woche später waren wir dann ein Paar.
Ich weiss, dass der zweite Teil sehr knapp beschrieben ist. Mir geht es aber auch in erster Linie um den ersten. Wenn es um Frauen geht, sollte man nie aufgeben. Man sollte den Mut haben, zu verlieren. Ich machte den Fehler, dass ich es nicht einmal wirklich probiert hatte. Entweder ganz oder gar nicht. Man sollte mehr zu sich selber stehen und viel direkter sein.
Ich hoffe, dass ich einigen von euch Mut machen konnte.
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