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Das hirnzerreissende Wochenende

Die Geschichte stammt von DonSanchez, dem Autor von http://mens-finest.de/

Muss ich sagen, dass, hin und wieder, ein als ruhig und gemäßigt geplanter Wochenendabend schnell zu einem Trip auswachsen kann? In einem Moment hast du einen sorgfältig erstellten Plan für den Abend und tust so als ob du dich daran halten würdest, im nächsten bestimmt der Zufall deine Handlungen und einige Zeit später befindest du dich in einer anderen Umgebung, in einer anderen Situation und dir wird bewusst, dass dein Plan schon lange einem leisen Tod ins Auge blickte. Ab diesem Moment werden der Zufall und Instinkt deine Freunde für den Abend. Ein langer Weg liegt vor dir…

Und so ist es ein Uhr nachmittags und ich befinde mich im Begriff mein Handy in meiner verdreckten Wohnung zu suchen. Ich fahre nach Frankfurt, ich bin zu einem Geburtstag eines guten Freundes, nennen wir ihn Sirium, eingeladen. Nun ist das verdammte Ding gefunden, ich gehe raus, knalle die Tür hinter mir zu. Ich soll mich in Frankfurt mit meinem persönlichen darmstädter Pickup Wing treffen. Valera, er ist ebenfalls eingeladen, doch weder er noch ich haben bis heute an ein Geschenk gedacht.

Die Situation des ständigen Vergessens ist uns mehr als vertraut, also rocken wir es wie immer – auf den letzten Drücker, improvisiert, effektiv, gut. Wir treffen uns am Bahnhof. Ich sehe ihn, er versucht sein breites Grinsen nicht zu verstecken. Wir kennen uns eine relativ kurze Zeit, doch wir sind in gewisser Weise verbunden, ihr wisst schon, so wie es diese Esoteriker so hin und wieder meinen. Wir sind auf einer Welle, auf einer bestimmten, wir hören denselben Sender. Pickupseminare verbinden. Leute, die sich nie selbst in die Scheisse versenkt haben, um hinterher sauberer als vorhin hinauszukommen, werden das nie verstehen.

Kurze Begrüßung reicht, er fängt direkt an zu quatschen, wunderbares unauffhörliches Gespräch bannt sich an. Wir müssen nicht alleine im Gespräch bleiben. Frauen sind gut, Frauen sind immer gut, also spricht er zwei vorbeilaufende Mädchen. Sie sind hübsch, auch wenn meiner Meinung nach minderjährig. Sie sind in Eile, vielleicht besser so. Pickup ist eine wundervolle Sache. Valera meint die Kleinere wollte mich, ich higegen weiß es, dafür musste ich sie nicht lange beobachten.

Nun müssen wir zurück zu dem Plan. Ein Plan für ein Geschenk steht innerhalb von Sekunden. Wie ich schon sagte, so verpeilt wir auch sein mögen, wir sind Künstler der Improvisation.

Sex Shop, rein, raus, Hunderter-Tüte Kondome, fein verpackt in schwarze Folie ist in meinen Händen. Sirium wird sich freuen, denn er wird sie auch brauchen. Nun müssen wir zu dem Park, wo der Gute feiert. U-Bahn, umsteigen, 2 alte Frauen nach dem Weg fragen, fünf Minuten Gehweg, Odyssee beendet, Park in Sicht, Sirum auch.

Es sind bereits einige Leute anwesend, einige werden noch kommen. Es wird gegrillt und mein Hungergefühl schreckt bei dem wundervollen Geruch aus seinem Tiefschlaf. Wir stellen uns vor, unbeschwerter Smalltalk fließt. Alles läuft wie es sein soll, es ist langweilig. Ich besorge mir ein paar Drinks, denn Wein ist en masse vorhanden. Drinks, essen, reden – so vergeht der größte Teil des Abends, im Grunde nichts Wildes.

Mittlerweile kenne ich alle Leute ganz gut und bin angetrunken genug, um philosophisch zu werden. Die Philosophie endet, wie so oft, bei NLP und schließlich Pickup, woraufhin ich für die interessierten Anwesenden eine PR-Aktion bezüglich RMES ausführe. Sie sind begeistert, ich werde stutzig. Moment mal…heute ist ja tatsächlich der erste Tag des Herbstseminars RMES. Es ist acht Uhr Abend, der Seminartag ist vorbei, Trainer, Supporter, allesamt Jungs, die ich sehr schätze machen gerade Feierabend.

Mit diesem guten Gedanken ging der Plan flöten und das Loathing setzte ein. Einige Anrufe später haben wir uns bereits einen Treff vereinbart. Von dem Team, das ich kannte, waren nur Viktor, der Haupttrainer und Krax, der Organisator und Support anwesend, alle anderen sollten neu sein, was mir ersteinmal nicht gefiel, sich aber hinterher als eine hervorragende Chance offenbart hat. Ich durfte weitere Leute kennenlernen, die in mir ein gewisses Interesse weckten.

Wir trafen uns im Dachcafé auf der Frankfurter Zeil. Viktor hat sich kein Stück verändert, doch wieso sollte er auch, es ist doch gerade ein halbes Jahr vergangen, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hab. Nun, da das letzte halbe Jahr mir persönlich wie drei Jahre vorkam, war meine leichte Verwunderung gerechtfertigt. Die Jungs haben zwei lange Tische zusammengeschoben, es war ein Haufen Leute da. Senja, Eugen, Latin und einige Neulinge vom Seminar saßen in meiner direkten Nähe.

Viktor saß am Ende des Tisches, ich und Valera an den Seiten, direkt neben ihm. Er ist ein Raubtier, ein Businessman, er beisst dir kommunikativ den Kopf ab, wenn du ihm nicht gefällst und wäre ich ein halbes Jahr früher neben ihm gesessen, würde ich mich unwohl fühlen. Doch ich hab meinen Weg beschritten und bin mittlerweile schon ein Stück weiter gekommen. Die Stimmung war absolut perfekt – gut, positiv, kameradschaftlich. Bei diesen Jungs ist die Stimmung immer so.

Mittlerweile kam mein Bier, in einem kühlen, nassen Glas. Einen großen Schluck davon und schon bin ich wieder im Gespräch, bereit die Weisheit einer Person aufzusaugen, die weitaus erfahrener ist als ich. Valera fragte ihn aus, wie man denn nun ein Unternehmen zu führen hat. “Indem man ein Unternehmen führt” war die Antwort -  kurz, informativ, auf den Punkt gebracht – so sind seine Antworten immer.

Weitere Gespräche, lange Gespräche folgten. Alles war cool, bis auf das stechende Gefühl, man könnte in diesem Halbjahr weitaus weitergekommen sein, doch man hätte zu wenig getan. Wie dem auch sei, tauchten irgendwann mehr und mehr Leute auf. Sirium mit seiner Bande hat es auch nun geschafft uns aufzusuchen. Einer der Dazugekommenen war Alex Neo- der Kerl, der einen vierseitigen Bericht über “Elf Frauen in einem Monat” verfasst und veröffentlicht hat. Diesen Bericht könnte er mit Worten, wie “Rufen Sie jetzt an! Für nur 39 Euro erhalten sie den Bestseller “11 Frauen pro Monat”! Die ersten 50 Anrufer kriegen eine Gummipuppe gratis dazu!” abschließen und hätte massig Kunden.

Nun saß er rechts neben mir. Nach ausgesprochenem Respekt für seine Odyssee(die über 5 Länder ging) waren wir am quatschen. So haben wir einen Knacks in der Matrix erfahren, als wir feststellten, dass wir beide aus derselben Stadt in Kazachstan herkommen und in derselben Straße gewohnt haben. Einer aus dem gleichen “Stamm”, nette Überraschung. Neo verzieht sich für eine Weile und ich versuche aus Sirium herauszuquetschen, bei wem ich denn heute übernachten darf. Er meint, bei Max, dem Kollegen, der neben mir sitzt. Seit nettes Zwieback-Packung-Baby-Gesicht lächelt mich freundlich an. Alles klar, wunderbar! Sie wollen direkt zu Max und bei ihm eine Afterparty starten. Ich hingegen will mit Neo und anderen in irgendeinen Club und dort Afterparty machen. Sirium lässt sich überreden, wir gehen in den Club. Der Großteil der Leute ist bereits gegangen, Eugen meint zu uns wir sollen auch runterkommen und auf ihn warten, er fährt das Auto vor. Schön, wir packen langsam, der Kellner stellt fest, dass zwei Bier noch nicht bezahlt sind. Nicht vorhandene Hartnäckigkeit lässt ihn mit der Rechnung stehen – wir hauen ab.

Ich komme unten als Letzter an. Neo spielt mit der Begleitung von Senja und schüttet mit sexuellen Anspielungen. Sie findet das lustig, dann irgendwann nicht mehr. Sie fängt an herumzunörgeln. Einige Minuten später schickt Senja sie, aufgrund von diesem Verhalten in die Wüste. Sie geht, Sirium rennt ihr hinterher, in der Hoffnung sie zurückbringen zu können. Wenige Minuten später kommt er alleine zurück. Es war allen bewusst, dass er nahezu keine Chancen hat. Er hats versucht, er rockt.

Je länger wir auf Eugen gewartet haben, desto sicherer wurden wir uns, dass er im Auto eingeschlafen ist. Er war einfach nur nicht da und das schon ziemlich lange. Schließlich kam er und verkündete, dass wir nirgendwohin fahren, sondern in ein City-Club gehen. Es sollte Monza sein. Auf gehts zum Monza. Am Club angekommen, konnte man beobachten was soziale Kontakte bedeuten. Einer von den Kerlen kannte den Sicherheitsmann anscheinend ganz gut und, nach einem anfänglichen Entsetzen, ließ er uns, acht Männer, in den Club. Die Jungs schwärmten aus, Neo und ich begaben uns erst einmal zur Bar. Nach einer Diskussion, die mir wie eine halbe Stunde vorkam, wie es sich aber hinterher herausgestellt hat, ganze 3 Stunden gedauert hat, fing die Action an.

Neo wies auf zwei Mädchen hin, die sich gerade unterhalten haben. Er meint, er will mich in Aktion sehen und kann mir hinterher Feedback geben. Was solls, das Angebot klingt gut, ich kann entweder die Mädchen haben, oder ein Feedback, es gibt keinen Verlierer in diesem Spiel. Ich gehe rüber und bitte Senja, der neben ihnen sitzt, ein Stück zu rücken.

Ich setze mich zu ihnen hin und spreche sie an. Schwerste Beschwerden ihrerseits über das Eindringen in ihre Privatspäre folgen. Sie wollen nicht mit mir reden, was bilde ich mir ein, wer bin ich überhaupt. Scheissegal, ihr redet mit mir, also haben wir Kontakt – von hier aus kann man weiterbasteln. Nach wenigen Sekunden fängt eine von ihnen an zu lächeln, während sie mich abweist. Gewonnen! Nun ist es zu einem Spiel geworden, zu einem Test, wie lange ich ihre Abweisung noch aushalte. Noch ein wenig und sie wird sich mir öffnen. In dem Moment flüstert Senja mir zu, ich soll mich nach links drehen, denn dort sitzt ein noch besseres Pärchen. Ich drehe mich um und sehe eine wunderschöne Asiatin neben mir sitzen.

Tschüss alte Mädels, Hallo neue Mädels! Ich spreche sie an, die Asiatin strahlt, ich gefalle ihr definitiv. Ihre weniger attraktive Freundin hingegen findet, dass sie zueinander halten sollten und zusammen ungefickt nach Hause gehen sollten. Daraus wird nix, du Stück. Ich versuch mit beiden zu reden, gebe aber die Idee relativ schnell wieder auf – verdammt laute Musik macht Kommunikation auf mehr als dreißg Zentimetern Entfernung unmöglich. Also schenke ich ab jetzt all meine Aufmerksamkeit der Asiatin, Tina ist ihr Name. Ein nettes, kleines Geschöpf, mit einem süßen Gesicht und wunderschönen Beinen sitzt gerade neben mir.

Ich berühre sie andauernd, ich halte die ganze Zeit über körperlichen Kontakt und werde dabei immer unverschämter. Sie sieht das Ganze locker, sie hat Spaß dran, ich auch. Alles läuft wunderbar, mit der Ausnahme dessen, dass ich den anbannenden Sturm nicht rechtzeitig erkannt hab – die Freundin. Sie ist stark gelangweilt und ich rufe Senja, der an der Bar steht, um sie zu übernehmen. Er versucht es, doch die Kommunikation hält nicht lange. Die Freundin zerrt Tina davon und ich kann kaum etwas dagegen unternehmen.

Ich bleib ruhig und relaxt. Zurück an die Bar, zurück zu Neo. Ich will mir mein Feedback abholen, doch er erzählt mir, er wollte mich testen, ob ich von einem Ziel ablasse, wenn ein besseres in Sicht ist und deswegen hat er Senja zu mir rübergeschickt. Ich fühl mich ein wenig manipuliert, doch war an sich auch eine gute Erfahrung, ich habe ein wenig über mich selbst gelernt. Der Spaß geht weiter. Ich bin ein Student, ich erfülle das Klischee des an der Armutsgrenze lebenden Studenten und will folglich kein Geld mehr ausgeben. Also lass ich mir von meinem Sitznachbarn ein Bier ausgeben und eine Zigarette geben. Wir kommen ins Gespräch. Er ist aus Dubai, passt hier auf seinen Onkel auf, der sich in der Frankfurter Klinik untersuchen lässt. Sich auf Englisch mit ihm zu unterhalten strengt mich ein wenig an, doch ich bin etwas gelangweilt, daher ist nehme ich es hin. Er meint zu mir, er sei auf der Suche nach einem Mädchen für den Abend, aber traue sich nicht die deutschen Mädchen anzusprechen, weil er nur Englisch spricht. Ich ermutige ihn, sage ihm, es sei der beste Konversationsstart, dass er aus Dubai sei. Eine halbe Stunde später sehe ich ihn in der Gesellschaft von einem hübschen Geschöpf der weiblichen Natur.

Neo taucht wieder auf, total neben der Spur, mit einem wirren Blick in den Augen. Er ist auf der Suche nach einem Zigarettenautomaten, hat aber keine EC-Karte um seinen Alter nachzuweisen. Ohne es sich lange zu überlegen, spricht er die Hübsche des Arabers an und verschwindet mit ihr, um Zigaretten zu holen. Es ist Neo, der Araber weiß noch nicht, dass er gerade eben sein Mädchen verloren hat. So kommt es auch, als er mit ihr zurückkommt und sie an ihm total hängt und den Araber ignoriert. Neo zeigt null Interesse an ihr, doch sie hängt bereits an ihm. Der Araber verzieht sich enttäuscht auf die Tanzfläche und zwei Minuten später schickt Neo das Mädchen in die Wüste. Wir stehen wieder an der Bar, Neo gibt dieses Mal aus.

Nun bekomme ich auch meinen Feedback zu den vorigen Aktionen. Neo meint, er hätte es wohl genauso durchgezogen, mit dem Unterschied, dass er weniger Interesse zeigen würde. Darin läge der Schlüssel zu ihrem Interesse – lass sie dir hinterherlaufen. Die Korrektur bindet sich hervorragend in meine persönliche Pickup-Strategie ein. Wir unterhalten uns noch ein Weilchen weiter, geben einander Bier aus, lassen uns Bier ausgeben.

Ich zünde mir meine letzte Zigarette an, nipp an meinem Bier, entspann mich auf meinem Hocker und sehe sie kommen. Bei ihrem Anblick schießen mit einige Porno-Szenen durch den Kopf. Blonde Mähne, schöne Titten, lange Beine, Minirock – sie kommt auf mich zu. Sie kommt mir sehr nahe, klemmt meinen Schenkel zwischen die ihren und flüstert mir ins Ohr “Ich würde dich gerne um etwas fragen…”.

“Du brauchst es nicht zu sagen”, erwidere ich, “lass es mich einfach nur raten…du bist gekommen…weil du…eine Zigarette von mir wolltest” flüstere ich langsam ihr ins Ohr. Sie ist einigermaßen betrunken, ich habe sie bereits an der Taille gepackt und drücke sie sanft an mich. Meine rechte Hand wandert bereits ihren Bauch hoch.

“Woher wusstest du das?” staunt sie spielerisch. Das ist der Moment. Dieser feine Moment, in dem dir klar wird, dass ihr beiden jetzt ein Spiel spielt. Ein Spiel ohne feste Regeln und einem tollen Endpreis. Ein Spiel, das nicht deine körperlichen Fähigkeiten fordert, sondern deine geistigen. Nun ja, ich schweiffe ab.

“Ich bin ein Wahrsager in der dritten Generation. Ich sehe die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft” sage ich zu ihr. Sie muss lachen. Sie hat bereits vergessen weswegen sie überhaupt gekommen ist und erzählt mir bereits irgendetwas, wovon ich nur die Hälfte verstehe.

An sich höre ich gar nicht mehr zu. Ich bin mit ihrem Körper beschäftigt. Meine Hände wandern nur so hin und her und anscheinend hat sie keine Probleme damit, dass ich sanft ihre Titten streichle. Im Gegenteil, ich merke wie sie anfängt tief zu atmen, ihr Gesicht errötet leicht. “Okay, Action!”, denke ich mir. Ich stehe auf und will sie schon langsam Richtung Toilette bewegen, als ich ihre Freundin sehe, wie sie auf uns beide mit einem wütenden Gesichtsausdruck zukommt.

Ich verfluche alles auf der Welt, dass sie gerade jetzt auftauchen muss. Ich weiß, dass die weibliche Solidarität besagt, dass heute entweder beide gefickt, oder ebenfalls beide  ungefickt  bleiben sollten und, dass meine Kleine(ich weiß immer noch nicht wie sie heißt) gerade eben die Regel brechen wollte, aber warum musste die Furie uns gerade jetzt erwischen?!

Sie packt die Kleine und zerrt sie förmlich aus meinen Armen. Draufgeschissen, ich renne ihr nicht hinterher. Andere mögen sich ja zum Affen machen, aber ich bleib ruhig und relaxt.

Ich setze mich zurück an meinen Hocker und lasse mir von Neo versichern, dass sie bald wieder auftaucht. Im Endeffekt geschieht das dann doch nicht, doch ich habe eine gewisse Erfahrung daraus gezogen und Neo bombardiert mich mit Feedback-Infos, was ebenfalls den Skill-Level steigern sollte. Kurz gesagt, ich bin mit der Situation zufrieden.

Einige Zeit später meint Neo wieder abhauen zu müssen und Senja suchen zu müssen. Ich chill an der Bar und will noch mein Bier leerkriegen. In meinem Kopf winden sich zuviele Informationen, als dass ich jetzt neue Action gebrauchen könnte. Ich muss alles erst einmal schön verarbeiten, bevor ich mich wieder ins Getümmel stürze. Es fühlt sich ein wenig wie Kopftetris an. Die Informationen werden solange herumgewunden, bis sie sich irgendwo im System einpassen und als Erfahrung abgespeichert werden. Feels good, man!

Mein Blick schweifft durch den Raum und ich sehe, wie ein Kerl sich durch die Menge kämpft, um den Platz neben mir einzunehmen, bevor das ein anderer tut. Er schafft es tatsächlich, obwohl es der einzige freie Hocker in dem ganzen Club ist. Ich gebe ihm die Hand, frage ihn nach seinem Namen und einem Bier. Er meint, er hätte selber nur Geld für ein halbes, aber halbe Flaschen würden sie hier nicht ausgeben. Ich schlage ihm vor die Flasche zu teilen. Seinen Namen habe ich bereits vergessen und weiß ihn immer noch nicht, also hab ich ihn immer als Thomas angereden und er musste mich jedes Mal berichtigen, was ihm am Ende ziemlich auf die Nerven ging. Das war mir relativ egal. Was andererseits interessant war, war seine Geschichte, die er mir prompt von der Seele geredet hat. Er kennt ein Mädchen seit zehn Jahren und will sie am liebsten auf seiner Matzatze sehen. Er hat aber auch ebenfalls einen guten Freund, den er seit fünfzehn Jahren kennt. Dieser Genosse kennt das Mädchen seit neun Monaten und hat gerade eben diese Zeit gebraucht, um zu begreifen, dass er sie ebenfalls auf seiner Matratze gerne sehen würde. Nun meint Thomas, dass sie heute zu dritt in dem Cub seien und der Genosse sich gerade an sein Mädchen ranmacht, wobei sie zwar noch nicht weiß, dass sie sein Mädchen ist, aber er das Ganze einfach nur scheisse von seinem Freund findet.

Ich gebe ihm einen guten verbalen Arschtritt, er soll gefälligst wieder zurück zu dem Pärchen und sich die Kleine schnappen, doch er wehrt sich gegen sein Glück.

Also frage ich ihn wo ich die beiden finden kann und er zeigt mit dem Finger aufs hintere Eck des Raumes. Ich sehe den Kerl, wie er sich gegen die Wand gelehnt hat und irgendetwas erzählt. Vor ihm steht das Mädchen. Ich brauche etwa zwei Sekunden, um zu begreifen, dass ich sie ebenfalls auf meiner Matratze sehen will und eine weitere Sekunde, um festzustellen, dass sie sich gerade extrem langweilt.

Also laufe ich direkt zu den beide rüber und spreche den Genossen an. Ich frage ihn etwas Beiläufiges und während er anfängt mit mir zu reden, habe ich mich bereits auf die Kleine umgeschaltet. Ich sage ihr sie soll nicht so ein Gesicht machen, als würde sie sich gerade Schulfernsehen reinziehen. Sie lacht, stellt sich vor, ich habe gewonnen.

Ohne dem Genossen weitere  Aufmerksamkeit zu schenken, gehen wir zurück zur Bar. Mit einem Klaps auf die Schulter scheuche ich einen Kerl von meinem Hocker und setze mich. Celine bestellt, ich frage sie nach einem Bier, sie gibt mir eines aus. Ich bin zufrieden, erzähl ihr weitere Geschichten, schenke ihr meine körperliche Aufmerksamkeit. Sie lacht, erzählt mir auch irgendetwas, wobei wir uns dauernd unterbrechen. Die ganze Welt um uns herum hat aufgehört zu existieren. Bis zu dem Augenblick an dem Thomas mich auf die Schulter getippt hat.

Frank, ich glaube so hieß der Genosse, ist bereits verschwunden und Thomas hat die Chance gewittert mit der Kleinen allein zu bleiben. Also fing er an rumzujammern, als würde er kurz vor der Kastration stehen. Schließlich gab ich nach, denn der Kerl tat mir einfach nur Leid. Ich wusste, dass er Celine nie auf seiner Matratze sehen würde, doch ich wollte ihm seine 15 Minuten Glück schenken und ließ die beiden alleine. Der Preis für mein Abdanken beläuft sich auf lediglich ein Bier, das mir Thomas mit Freude ausgab. Von wegen er hatte kein Geld, der Penner.

Ich danke also ab und merke zum ersten Mal wie müde ich eigentlich bin. Ich habe keine Lust mehr an der Bar zu sitzen ich will an sich nur eine Zigarette und dann einen Szenenwechsel. Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass es bereits Viertel nach fünf ist. Ich mache mich auf die Suche nach Neo, der vom Club geschluckt worden zu sein schien.

Schließlich finde ich ihn auf der Tanzfläche und sehe, wie er und Senja mit 2 Sicherheitsmännern reden. Es gab anscheinend ein paar Probleme und sie sollten ein paar Angaben machen. Nichts Wildes. Eine halbe Stunde später sind wir draussen und ich genieße die frische Luft und den Sonnenaufgang. Es ist fast sechs Uhr morgens. Wir beschließen zur Tanke zu fahren und uns etwas zu essen und Energydrinks zu besorgen. Gesagt, getan. Nachdem die Glucose meinen Kreislauf füllt, fühle ich mich deutlich besser, die Müdigkeit verschwindet und so begeben wir uns zu der Wohnung von Viktor. Um 10 Uhr fängt der zweite Seminartag an.

Was soll ich noch sagen? Ich hab mich den ganzen Tag mit Kaffee wach gehalten und hab als Support bei dem Seminar fungiert. Nachdem es 20 Uhr geschlagen hat, bin ich nach Hause und ins Bett. 40 Stunden wach, 40 Stunden Erlebnisse, die nie wieder aus meinem Kopf weichen werden.

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