
In Deutschland gibt es Millionen von Singles. Sie leben, essen und schlafen allein – wollen aber nicht allein verreisen. Da kommt das Angebot, mit Schicksalsgenossen in Urlaub zu fahren, gerade recht. Doch Singles reisen nicht mit leichtem Gepäck – oft genug tragen sie ihre Vergangenheit mit sich herum.
Wer mit wem – und wenn ja, wie viele? Das kann nicht die Frage von Steffen Butzko, 42, sein, dem Geschäftsführer von adamare, einem Spezialreiseveranstalter für Singlereisen. Kommt es in der Woche, in der er mit 75 alleinlebenden Zeitgenossen Zypern bereist, zu Verpaarungen, hat er diese Teilnehmer als Kunden verloren. Dennoch interessiert ihn die Frage. „Man darf keine zu hohen Erwartungen an eine solche Reise haben, aber letztlich geht es immer nur um das eine“, sagt er. Richtig. Dass jeder Hans seine Grete finde.
In diese Richtung läuft es beim Mittagessen in der Taverne in Ómodos am dritten Tag. Butzko hat 50 Weinflaschen bestellt. Mehr werden 45 Frauen und 30 Männer am helllichten Tag nicht leeren wollen, dachte er. Am Ende sind 115 entkorkte Flaschen aufgereiht, der Veranstalter muss draufzahlen. „Dieser Tag ist der Eisbrecher, allen wird warm ums Herz“, stöhnt Butzko. Enthemmt tanzen die Leute mit Einheimischen einen Sirtaki nach dem anderen, einige sogar auf Tischen. Es wird gegrölt, gelacht, geklatscht und in einer Ecke knutschen zwei, die sich vor drei Tagen am Flughafen noch finster beäugten. Das kollektive Fazit nebst Kater am Morgen danach: Schön war der Ausflug ins Ómodos-Gebirge.

11,2 Millionen Singles zwischen 29 und 69 Jahren gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland. Sie leben allein, essen und schlafen allein. Wollen aber nicht allein reisen, um in Hotels neben Familien oder gar Honeymoonern allein am Tisch zu sitzen.
Die beiden jüngsten Teilnehmer sind 28, der älteste ist 65 Jahre, die meisten in den Vierzigern. Wie die Sekretärin aus Mannheim. „Wo früher meine Seele war, ist nun Hornhaut“, sagt sie. Nach zwei gescheiterten Ehen will sie dem Schicksal einen letzten Gefallen abbetteln. „Ich will einen Partner, noch mal eine richtige Liebe.“ Gut so, wird ihr von allen Seiten bestätigt.
Sind Singles in reiferem Alter, ahnen sie, dass die Zeit nicht mehr für, sondern gegen sie arbeitet. Da heißt es, die Initiative zu ergreifen. Sie wissen genau, was sie wollen, aber nicht immer, wie sie es optimal angehen können. Da kommt das Angebot, mit Schicksalsgenossen zu verreisen, gerade recht.
Aber cool, bitte. „Na, ich guck mal“, erklärt eine Ingenieurin aus Bremen. „Ich wollte raus aus dem miesen Wetter in Deutschland“, brummt ein Softwareentwickler aus Karlsruhe. „Die beste Gelegenheit, diese zauberhafte Insel kennenzulernen“, flötet eine Lehrerin aus Heidelberg. „Ich möchte in gepflegter Umgebung ein paar schöne Tage mit netten Leuten verbringen“, gibt sich eine Berliner Ministerialbeamtin souverän. „Im tiefsten Winter Sonne haschen, des isch doch doll!“, plärrt eine Schwäbin. Singles lügen sich gern in die Tasche, dabei grinsen sie. Wer mit wem – und wenn ja, wie viele? Das ist es, was sie interessiert.
Quelle:
http://www.welt.de/lifestyle/article5780610/Bei-einer-Single-Reise-geht-es-nur-um-das-eine.html#reqRSS
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